ERSTMALS AKTEURE AUS GANZ DEUTSCHLAND
„Zusammenhalt durch Teilhabe“ ist ein Programm für Brückenbauer

Mit der dritten Förderperiode 2015/2016 ist das zuvor auf die neuen Länder konzentrierte Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ erweitert worden, bei der 6. Fachtagung Nah dran in Kassel trafen darum erstmals Akteurinnen und Akteure aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen. „Sie haben viel in Bewegung gebracht“, lobte Hanne Wurzel, Leiterin des Fachbereichs Extremismus in der Bundeszentrale für politische Bildung, in ihrem Grußwort das Wirken der Haupt- und Ehrenamtlichen in Verbänden und Vereinen. „Sie tragen dazu bei, was die Gesellschaft ausmacht: Engagement, Solidarität, Teilhabe und Vielfalt.“

Positive Bilanz

1.060 Demokratieberaterinnen und Konfliktlotsen sind in den sieben Jahren des Bundesprogramms inzwischen ausgebildet worden. „Es werden noch viele mehr werden“, versprach die Leiterin der Z:T-Regiestelle, Lan Böhm, und belegte mit weiteren Zahlen eine positive Bilanz. 114 000 Menschen besuchten über 4.000 von „Zusammenhalt durch Teilhabe“ geförderte Informations- und Bildungsveranstaltungen – allein die Hälfte davon fand in der jüngsten, aktivsten Förderperiode statt. Durch die umfassende Beratungsdokumentation sei es inzwischen auch möglich, qualitative Aussagen über die konkreten Maßnahmen zu treffen. Erreichen die Beratungen ihr Ziel, mit welchen Problemen werden sie konfrontiert? Tatsächlich betreffen rund 40% der Fälle die Themen Extremismus, Rassismus, Gewalt und Sexismus. In anderen werden Alltagskonflikte moderiert, aber auch Vernetzung und Partizipation spielen eine wesentliche Rolle. Lan Böhm freut es besonders, dass die abgeschlossenen Beratungen zu zwei Dritteln erfolgreich, viele andere mit einem akzeptablen Kompromiss haben enden können: „Stellen Sie sich vor was passierte, wenn niemand da gewesen wäre?“

Den Wert der wissenschaftlichen Begleitung unterstrich auch Dr. Axel Lubinski, Referatsleiter für Politische Bildung und Prävention im Bundesinnenministerium. Für Präventionsprogramme wie Z:T seien bislang 500 Millionen Euro eingesetzt worden, mit steigender Tendenz. Auch darum sei es enorm wichtig, durch eine kontinuierliche Evaluation die Wirksamkeit der Programme nachweisen zu können. Den Akteur*innen dankte er für ihre Unterstützung dabei, den „verantwortungsbewussten Umgang“ mit diesen Mitteln zu dokumentieren.

Intensive Zusammenarbeit mit der BPB

Lubinski erinnerte an den Start von „Zusammenhalt durch Teilhabe“ 2010, als damit begonnen wurde, den „gesellschaftspolitischen Aktionsraum“ der im ländlichen Raum verankerten Initiativen, Vereine und Verbände systematisch zu stärken. „Wenn es Z:T nicht seit sieben Jahren schon geben würde, müsste man es spätestens jetzt erfinden“, betonte er. „Alle die ich kenne, die mit dem Programm beschäftigt sind, haben nach vorne weisende Antworten und Lösungen gefunden, haben Wege entwickelt und arbeiten daran, wie sie mit den Möglichkeiten des Programms umgehen und damit einen Mehrwert erreichen können.“

Es sei die Aufgabe politischer Bildung, Wege zu eröffnen, Räume zu gestalten und den Akteuren Instrumente und Methoden an die Hand geben, damit sie weiterhin Brücken bauen können, so Lubinski. Er wie auch Hanne Wurzel verwiesen in ihren Beiträgen darauf, dass die Verzahnung politischer Bildungsangebote und Verbandsarbeit durch die Andockung des Bundesprogramms an das „Kompetenzzentrum“ Bundeszentrale für politische Bildung sinnvoll war und auch weiterhin wichtig ist. Mit den Verbänden und Vereinen seien für die BPB Zielgruppen erschlossen worden, die wiederum Möglichkeiten der inhaltlichen Weiterbildung böten. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Familienministerium soll intensiviert, bestehende Schnittstellen wie etwa zum Programm „Demokratie leben“ ausgebaut und genutzt werden.

„Wir sind vermehrt gefordert, eine merklich an Themen orientierte Auseinandersetzung zu führen, rote Linien aufzuzeigen und uns zu positionieren“, stellte Hanne Wurzel fest. Dr. Lubinski zeigte sich optimistisch: „Wenn genügend Menschen da sind, die sich einer solchen Aufgabe verpflichtet fühlen, dann wird auch Demokratie nach wie vor funktionieren“, erklärte er und versprach: „Wir werden uns zusammen weiterentwickeln in den nächsten Jahren.“

Die Fachkonferenz „Nah dran“, erstmals von der Regiestelle allein organisiert und umgesetzt, wird weiter entschiedenen Anteil daran haben. Weit über 300 Teilnehmende waren der Einladung „Auf nach Kassel!“ gefolgt. Die Planung der siebenten Auflage beginnt demnächst.

 

 

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