Eine Podiumsdiskussion mit Mehrwert

Die gesellschaftlichen Zeiten sind unsicher. Populistische und extremistische Stimmen sind laut, Gesprächsfäden reißen ab, Kollektive zerbrechen. Demgegenüber stehen immer mehr leuchtende Positiv-Beispiele: Demokratische Kultur wird gestärkt, Staat und Zivilgesellschaft wirken zusammen. Gerade in ländlichen Räumen bietet bürgerschaftliches Engagement enorme Chancen für einen neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt und Möglichkeiten der Teilhabe. Fünf Expertinnen und Experten werden diskutieren, wie wir die neuen Herausforderungen an unser Miteinander meistern können. Neben den beiden Keynote-Sprechern Jürgen Wiebicke und Sebastian Braun ist Markus Nierth dabei. Der ehemalige Bürgermeister von Tröglitz in Sachsen-Anhalt legte sein Amt 2015 nieder, weil er für die Unterbringung von Geflüchteten massiv angefeindet wurde. Er benennt Probleme, hat aber auch Lösungsvorschläge.

Das gilt auch für MinDir Ulrich Weinbrenner, der seit 2016 den Stab „Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration“ (GZ) im Bundesministerium des Innern leitet. Und Stephanie Lindemann weiß als Bundesgeschäftsführerin der THW-Jugend, wie Akteure im Lokalen zu einem neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen.

Moderiert wird das Gespräch von Carola Schede (NDR), die überzeugt ist: „Es gibt Dinge, über die darf man nicht nachdenken, die muss man einfach machen.“

 

Univ.-Prof. Dr. Sebastian Braun forscht und lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort leitet er als Professor am Institut für Sportwissenschaft die Abteilung Sportsoziologie; das Forschungszentrum für Bürgerschaftliches Engagement bildet ein zentrales Forschungsgebiet von ihm. Darüber hinaus leitet er die Abteilung Integration, Sport und Fußball am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM). Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte und Publikationen thematisieren bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft, Vereine und Verbände, Integration und Migration, Sozialkapital sowie das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen.

Stephanie Lindemann ist seit 2008 Bundesgeschäftsführerin der THW-Jugend e.V.. 2011 starteten die ersten Projekte des Bundesprogramms Zusammenhalt durch Teilhabe im Technischen Hilfswerk, die sie seither begleitet. 2016 kamen weitere Projekte - auch in den alten Bundesländern - hinzu. Mittlerweile laufen in der THW-Jugend 11 erfolgreiche Projekte in 13 Bundesländern, die über die Koordinierungsstelle in der Bundesgeschäftsstelle der THW-Jugend e.V. zusammenarbeiten. Seit über 20 Jahren ist sie in der Jugendverbandsarbeit von der Ortsebene bis zur Bundesebene ehrenamtlich wie hauptberuflich aktiv. Darüber hinaus ist sie ehrenamtliche Einsatzkraft in der medizinischen und psychosozialen Notfallversorgung. Sie studierte Pädagogik, Politische Wissenschaft und Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Markus Nierth wurde geprägt von seinem Aufwachsen in einem evangelisch-lutherischen Pfarrhaus und der oppositionellen Rolle seiner Familie gegenüber der SED-Diktatur. 1986 Übersiedelung nach Hessen, Studium der Theologie u.a. in Tübingen, Ordination zum Pfarrer im Ehrenamt. Rückkehr nach Sachsen-Anhalt 1999, dort Kirchenarbeit. 2009 Selbstständigkeit als Freier Trauerredner, Ortsbürgermeister in Tröglitz, Widerstand gegen fremdenfeindliche Demonstrationen der NPD, 2015 Rücktritt als Ortsbürgermeister. Weiterführendes soziales Engagement für Geflüchtete; Vorträge; Buch "Brandgefährlich - Wie das Schweigen der Mitte die Rechten stark macht“.

MinDirig Ulrich Weinbrenner, Ministerialdirigent, Studium der Rechts- und Verwaltungswissenschaften in Mainz und Speyer. Seit 1992 im Bundesministerium des Innern (BMI). 1995 bis 1997 Tätigkeit bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Danach im BMI mit Migrations- und Sicherheitsfragen befasst. Seit 2007 Leitung verschiedener Referate in der Abteilung »Öffentliche Sicherheit« und zwischen Oktober 2014 und Januar 2016 der Projektgruppe für die Reform des Datenschutzrechts in Deutschland und Europa. Seit Februar 2016 Leiter des neu gegründeten Stabs »Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Integration« im BMI.

Jürgen Wiebicke studierte in Köln Philosophie und Germanistik. Im Anschluss daran volontierte er beim Sender Freies Berlin und war dort Redaktionsleiter. Seit 1997 arbeitet er als freier Journalist, vor allem für den Hörfunk. Bei WDR 5 moderiert er jeden Freitagabend „Das philosophische Radio“. 2012 gewann er den Medienethik-Preis META der Hochschule für Medien Stuttgart. 2013 erschien sein Buch „Dürfen wir so bleiben, wie wir sind? Gegen die Perfektionierung des Menschen – eine philosophische Intervention“. 2016 "Zu Fuß durch ein nervöses Land – Auf der Suche nach dem, was uns zusammenhält", 2017 "Zehn Regeln für Demokratie-Retter".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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