DOKUMENTATION 2015
NAH DRAN I Gemeinsam Vielfalt gestalten

SPIELRAUM: Willkommen in Welzhausen

 

 

 

SPIELRAUM FÜR NEUE PERSPEKTIVEN

Willkommen in Welzhausen!? Das Planspiel zum Beratungsthema

Wie konnte das nur passieren? Am Abend des interkulturellen Herbstfestes stehen plötzlich rund achtzig Menschen mit brennenden Fackeln vor dem Gemeindezentrum, in dem die Feier stattfindet. Viele davon sind ganz normale Bürgerinnen und Bürger – jung und alt. In der ersten Reihe stehen fünf bekannte Trainer/-innen aus der Jugendabteilung des 1. SV Welzhausen. Ein Gesprächsversuch missglückt, der Gemeindevorstand wird durch ein Flugobjekt leicht am Kopf verletzt. Schließlich löst die Polizei die Versammlung auf. Als Reaktion auf das Ereignis wird ein Krisengipfel im Bürgermeisteramt anberaumt. Vertreter/-innen aus Politik, Verwaltung, Polizei und Zivilgesellschaft versuchen nun, den Fall zu rekonstruieren und Lösungen zu finden. Soweit das Szenario.

Auf der Basis dieser erfundenen Geschichte über die fiktive ländliche Gemeinde Welzhausen tauchen die etwa 15 Planspiel-Teilnehmer/-innen in ihre Rollen ein. Per Losverfahren entscheidet sich, wer für die nächsten 50 Minuten Bürgermeisterin oder Linksautonomer, Flüchtling oder konservative Alt-Welzhauserin sein wird. Ohne Zweifel – die am Planspiel teilnehmenden Akteure erwiesen sich als echte Expert/-innen im Feld von Rassismus und Diskriminierung. Egal, ob sie im wirklichen Leben als Coach tätig, bei Feuerwehr, Sportjugend oder in anderen Verbänden und Vereinen aktiv sind. Beeindruckend ist es, mit welcher Leichtigkeit sie sich in ihren Aufgaben zurechtfinden, wie lebhaft sich die Debatte entspinnt und am Tisch blitzschnell Argumente, Worthülsen und Plattitüden die Besitzer wechseln wie Falschgeld. Es wird herzhaft gestritten, polemisiert und gerungen, was manchmal eine gewisse Komik mit sich bringt und zu absurden Situationen führt. Zum Beispiel, wenn der am Tisch sitzende Geflüchtete ganz wie im echten Leben konsequent übersehen und nicht gehört wird. Oder wenn eine Dame vom Verein „Alt-Welzhausen“ schnippisch bemerkt: „Wer sich bei uns anpassen will, ist herzlich willkommen und kann beim nächsten Fackelumzug gleich mitlaufen.“

Nach dem Spiel folgt die Analyse: Wie war es, in die fremde Rolle zu schlüpfen? Kann man sich in die andere Perspektive einfühlen, die eigene Haltung ausblenden? Im darauffolgenden Workshop werden Erfahrungen aus der gespielten und der realen Welt gesammelt, visualisiert, sortiert und gebündelt: Welche Lösungsansätze wurden ermittelt? Wo gibt es Hilfe? Die Gespräche am Tisch finden kein Ende, selbst als Planspiel und Workshop längst zu Ende sind. Tipps, Erfahrungen und Hilfsmittel werden ausgetauscht, typische Strukturen und Problematiken besprochen. Politische Bildungsarbeit in Vereinen sei auch wegen der typischen Verflechtungen von Rollen und Ämtern in kleinen Gemeinden schwierig. Etwa wenn der Bürgermeister auch Chef der Feuerwehr ist. Einer der Workshop-Teilnehmer bringt es auf den Punkt: „Es gibt schon viel Wissen und gute Ansätze. Aber die Leute sind so beschäftigt, dass bereits bestehende Dinge nicht kommuniziert oder vernetzt werden können.“ Ein Zukunftspotenzial für „Zusammenhalt durch Teilhabe“?

 

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