DOKUMENTATION 2015
NAH DRAN I Gemeinsam Vielfalt gestalten

VORTRAG: Professionalisierung von Verbandsberatung in kommunalen Netzwerken

 

 

 

DER BERATUNGSMENSCH IST KEIN HELD

Professionalisierung von Verbandsberatung in kommunalen Netzwerken – Vortrag von Dr. Wolfgang Looss

Beratung ist ein unscharfer Begriff, sagt Dr. Wolfgang Looss, da müssen wir schon genauer hingucken. Darum tat er in seinem Vortrag genau das: Der grundsätzlich etwas schwammigen Terminologie mit Klarheit zu begegnen. Damit jeder „Beratungsmensch“, der zu einem Fall gerufen wird, schon einschätzen kann, was von ihr und ihm alles erwartet wird: Nämlich bei der Entrümpelung von Altbeziehungskonflikten helfen, Bündnispartner/-in sein, einzelne Positionen stärken, Know-how als Dienstleistung liefern, Schiedsgericht spielen und den einen und die andere „mal zur Vernunft bringen“. Durcheinander sei im Beratungsalltag der Normalzustand, erklärte Dr. Looss den rund 200 Zuhörenden – „wenn wir hingehen, können wir schon zur Begrüßung sagen: Es ist alles sehr kompliziert!“

Um die eigene Handlungsfähigkeit herzustellen, noch bevor es zu kompliziert wird, bedient sich Dr. Looss seines „beraterischen Denkzeugs“. Er betrachtet die Akteurslandschaft, um herauszufinden, wer alles auf der Bühne agiert. Er kreiert ein Interessenspanorama, um die Motivationen der handelnden Personen zu verstehen. Und er richtet seinen diagnostischen Blick aufs Ganze, um seine Beobachtungen zu sortieren. „Verschaffen Sie sich einen Überblick, stellen Sie Fragen“, empfiehlt er. In seinem Vortrag beschreibt Dr. Looss Beraterinnen und Berater mal als „Zeremonienmeister“ für Klärungsprozesse, dann als „Realitätskellner“, die ihren Klienten Fakten liefern müssen, schließlich als „Sparringspartner“ in Konfrontationen und „Katalysatoren“, die in Konflikten drosselnd wirken können.

Seine griffigen Formeln und sogenannten „Standardfragen“ formen das Selbstverständnis und fördern auch das Selbstbewusstsein der Akteure, die sich umso entschlossener und entschiedener ihrer Aufgabe zuwenden können. Die wichtigste Ressource seien sie nämlich selbst, als Person. „Fokussieren Sie!“, fordert Dr. Looss, „finden Sie heraus, wer Ihre mittelbaren Klienten sind; klären Sie, worin das tatsächliche Problem liegt und ob dadurch die Primäraufgaben der Organisationen gefährdet werden.“ Wenn man es schaffe, schnelle Erfolge – sogenannte quick wins – zu erzielen, gewinne man wertvolle Mitstreiter/-innen, die dann auch bereit seien, einen langen und schwierigen Weg gemeinsam zu gehen. Ganz wichtig sei es, eine gewisse Distanz zur Sache zu wahren. „Das Problem gehört dem Klienten, nicht dem Berater“, betont Dr. Looss. Deshalb blieben auch Ruhm und Ehre im Falle des Erfolgs auf der anderen Seite, weil: „Der Beratungsmensch ist kein Held!“ Er dürfe noch nicht einmal versuchen, einer zu werden. „Wenn Ihr Bauch sagt, geh weg, dann gehen Sie weg“, betont der Referent. Dann müsse eben ein anderer, eine andere den Job machen – eine/r, der ein besseres Gefühl zur Situation hat.

 

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