DOKUMENTATION 2015
NAH DRAN I Gemeinsam Vielfalt gestalten

VORTRAG: Wenn wir es nicht tun, macht es ein anderer

 

 

 

LASST WIRKLICHE DINGE GESCHEHEN

Politische Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Vortrag von Ingo Bokermann

Der Kampagnen-Experte Ingo Bokermann war über zehn Jahre für Greenpeace tätig. Im Vortrag lässt er keinen Zweifel aufkommen: Wirkungsvolle öffentliche Kommunikation erreicht man nur mit einer guten Strategie. Und eine gute Strategie folgt einer bestimmten Dramaturgie. Sie erzählt eine Geschichte – mit allem was dazu gehört: Held/-innen, Täter und Opfer. Oder etwas flapsig ausgedrückt, mit „Kasper, Tod und Teufel“. Alles kommt auf die bewusst gestaltete Inszenierung an, die deutlich zeigt, worum es einem geht. Die Greenpeace-Kampagnen sind hierfür mustergültige Beispiele. Wer kennt sie nicht – die Bilder von Schlauchbooten und Ölplattformen, die in den 1990ern so manchen Autofahrer dazu brachten, die Tankstelle zu wechseln? Solche Aktionen sind natürlich „keine Bildungskampagnen“, wie Bokermann klarstellt. Es braucht die starken Bilder und die einfachen Botschaften, um zu provozieren und Druck zu erzeugen. Erklärungen können auch später folgen. Das verschafft – wenn alles gut läuft – Öffentlichkeit und rückt das anvisierte Ergebnis etwas näher.

Aber wie geht man es ganz praktisch an? Das Ziel der Kampagne, so der Experte, sollte gut formuliert sein. Allein schon deshalb, um einen späteren Erfolg auch angemessen würdigen zu können. Und auch diese Fragen sollten Antworten finden, bevor es losgeht: Wer ist meine Zielgruppe? Welche Player sind an meinem Projekt beteiligt? Wer sind meine Gegner/-innen, wer die Unterstützer/-innen? Wer ist wichtig und wer nicht? Aus einer solchen „Umfeldanalyse“ lässt sich eine Landkarte entwickeln, die den Fahrplan für eine gute Lobby-Strategie vorzeichnet. Wen will ich erreichen? Abgesehen von der üblichen Öffentlichkeitsarbeit stellt sich dann noch die Frage: Was könnte unsere ganz eigene Spezialmethode sein – analog zu den Schlauchboten bei Greenpeace? Bokermann sagt: Das Thema muss passen, der Zeitpunkt sinnvoll gewählt und die Geschichte konsequent gestaltet und durchgehalten werden. Es ist auch erlaubt, sich von anderen Kampagnen Inspiration zu holen. „Kommunizieren Sie in Taten und Bildern, lassen Sie wirkliche Dinge geschehen!“ So kann selbst ein kleines Kommunikationsprojekt zu einer unüberhörbaren Stimme werden.

 

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